"Zu scharf, um wahr zu sein" – romantische Komödie mit viel Witz

Die attraktive und intelligente Molly (Alice Eve) verliebt sich in Loser Kirk (Jay Baruchel) - kann das gut gehen? Sympathische Komödie mit Witz und Herz.

Romantische Komödien zählen neben Comicverfilmungen zu den sichersten Kassenhits. Kein Wunder also, wenn alleine Hollywood alljährlich mehrere Genrebeiträge in der Hoffnung auf einen weiteren Knüller abliefert. Das Erfolgsrezept lautet: Zwei Menschen finden trotz aller offensichtlichen Unterschiede zueinander, trennen sich kurzzeitig auf Grund eben dieser Unterschiede, und kommen schlussendlich doch wieder zusammen. Happyend, Zuschauer zufrieden, Mission erfüllt!

Freilich: Nicht immer klappt dieses Konzept, wie 2009 das fürchterliche, leider immer noch nicht in Vergessenheit geratene Catherine-Zeta-Jones-Vehikel „Lieber verliebt“ bewies. Ob der britische Regisseur Jim Field Smith mit seinem Spielfilmdebüt „Zu scharf, um wahr zu sein“ eine gelungenere Romantikkomödie hinlegte?

Kirk und Molly: Zu ungleich, um ein Paar zu sein

Eigentlich wollte Kirk (Jay Baruchel) Pilot werden. Doch da sein Vater das ersparte College-Geld für einen Swimmingpool flüssig machte, langte es für den sympathischen Loser nur zu einem langweiligen Job bei der Flughafensicherheit. Seine Arbeitskollegen und Freunde Stainer (T.J. Miller), Devon (Nate Torrence) sowie Jack (Mike Vogel, „Cloverfield“) versuchen immer wieder, ihn von seinen Qualitäten zu überzeugen. Aber jegliches Selbstvertrauen ist dem schüchternen Nobody längst abhanden gekommen.

Jenes ihn völlig verändernde Schicksal tritt in wohlgeformter Gestalt der bildschönen Molly (Alice Eve) auf den Plan. Molly ist aber nicht nur ausnehmend hübsch, sondern hat zudem ein Jura-Diplom in der Tasche, ist erfolgreiche Eventmanagerin und überaus freundlich. Beim Sicherheits-Check am Flughafen kreuzen sich ihre und Kirks Wege. Dabei vergisst sie ihr iPhone, das ihr der vom Naturell her schüchterne Kirk am nächsten Tag in einer Kunstgalerie persönlich zurückgibt.

Trotz seiner zurückhaltenden Art und Tollpatschigkeit wird er von Molly zu einem Eishockeyspiel und später sogar zu einem hochoffiziellen Date eingeladen. Das Unglaubliche geschieht: Die begehrenswerte Blondine verliebt sich in den erfolglosen Kirk! Zunächst schwebt dieser auf Wolke Sieben. Bis sich überraschend Mollys Ex-Freund – attraktiv, erfolgreich und selbstbewusst – zurückmeldet und sich Kirk vor den Eltern seiner Angebeteten bis auf die Knochen blamiert. Glücklicherweise kann er in dieser schwierigen Situation voll und ganz auf die Unterstützung seiner Freunde zählen …

„Zu scharf, um wahr zu sein“: Witziger, als der Titel befürchten lässt

Er hat wieder gnadenlos zugeschlagen. Nicht der Lochfraß, sondern der rätselhafte Titelübersetzer. Was im Original noch „She's out of my league“ und somit harmlos klingt, gemahnt dank des deutschen Titels „Zu scharf, um wahr zu sein“ an eine schlüpfrige Teenie-Klamotte. Zu Unrecht, denn Jim Field Smith gelingt mit seinem Spielfilmdebüt eine wunderbar beschwingte Komödie mit viel Herz. Weder müssen sich weibliche Zuschauer mit Taschentüchern, noch männliche mit Tüten zum über den Kopf ziehen eindecken. Auf knapp hundert Minuten Lauflänge schildert der Streifen Höhen und Tiefen einer Beziehung, ohne auf Furzgags und ähnliche Unsäglichkeiten zurückzugreifen.

Im Gegenteil: Die meisten Witze speisen sich aus den pointierten Dialogen und selbst die beiden einzigen unter der Gürtellinie angesiedelten Situationswitze werden auf charmant lustige Weise präsentiert und reizen tatsächlich zum Lachen. Somit ist die Altersfreigabe ab 12 Jahren guten Gewissens vertretbar. Humor der Marke „American Pie“ oder gar der fäkalfixierten „Lieber verliebt“-Kategorie hat in „Zu scharf, um wahr zu sein“ schlichtweg keine Chance.

Wunderbares Liebespaar Alice Eve und Jay Baruchel

Großen Anteil am Lacherfolg des Filmes tragen die Protagonisten Alice Eve und Jay Baruchel. Beide verkörpern ihre Rollen glaubhaft und sympathisch, ohne jemals in affektierte Übertreibungen zu verfallen. Zu den ganz großen Karrieren hat es für sie bislang noch nicht gereicht. Alice Eve ist am ehesten aus dem Harrison-Ford-Flop „Crossing Over“ und „Sex in the City 2“ bekannt, für den Kanadier stellte „Zu scharf, um wahr zu sein“ die erste ganz große Hauptrolle vor „Duell der Magier“ an der Seite von Nicholas Cage dar.

Mit erheblich gröberem Pinsel werden die Nebencharaktere gezeichnet. Etwa Mollys beste Freundin Patty (Krysten Ritter), die rein gar nichts Liebenswertes an sich hat, oder Kirks aus Rüpeln bestehende Familie. Angenehmerweise halten sich diese Figuren jedoch zurück und agieren stets im Hintergrund. Einige der abfallenden Lacher fügen sich trotzdem gut in die Handlung ein, wohingegen das eine oder andere absurde Storyelement, wie Kirks beinahe schon comicartig hinterhältige Ex-Freundin Marnie (Lindsay Sloane), wie ein Fremdkörper in der Dramaturgie des Filmes wirkt.

Witzige Romantikkomödie für alle Altersgruppen

Ein bestimmtes Zielpublikum visiert „Zu scharf, um wahr zu sein“ nicht an. Die Dialogwitze und die romantischen Verwicklungen sprechen ein breit gefächertes Publikum an. Somit ist der Streifen weit davon entfernt, ein „Frauenfilm“, wie auch eine Teenie-Komödie zu sein. Wenngleich Jim Field Smiths Kinohit aus 2010 auf keiner ungemein originellen Prämisse beruht, ist er doch eine überaus gelungene und sympathische Romantikkomödie, die sich perfekt für einen entspannenden Videoabend eignet. Dank der blu-ray-Umsetzung sollte auch die Bildqualität in die Kategorie „Zu scharf, um wahr zu sein“ fallen.

Originaltitel: „She's out of my league“

Regie: Jim Field Smith

Produktionsland und -jahr: USA, 2010

Filmlänge: ca. 104 Minuten

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Verleih: Paramount Pictures Germany

Deutscher Kinostart: 29.04.2010

Veröffentlichung auf blu-ray: 23.09.2010

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