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Zürich: Kleiner Bummel durchs «Dörfli»

Ein Bummel durch das Dörfli  - Daniela Sattler
Ein Bummel durch das Dörfli - Daniela Sattler
Mit seiner Fussgängerzone und seinen kleinen schmucken Gässchen lädt das vor allem als Amüsierviertel bekannte Niederdorf auch tagsüber zum Schlendern ein.

Zürichs lebendigstes Quartier ist wohl die am rechten Ufer der Limmat liegende Altstadt, das Niederdorf, auch liebevoll «Dörfli» genannt. Das im Kreis 1 liegende Niederdorf bildet – für die meisten Bewohner und Besucher – zusammen mit dem Oberdorf, das zwischen dem Bellevue respektive der Rämistrasse liegt, eine Einheit.

Schmucke Zunfthäuser und dreistöckiger Spätrenaissancebau

Die Häuser zwischen Rathaus und Rosengasse standen früher direkt am Fluss. 1823/25 wurde ihnen ein Quai vorgebaut. Heute ist der 1859 fertig gestellte Limmatquai eine belebte Einkaufsmeile und mit Start bei der Wasserkirche ein fabelhafter Beginn zu einem kleinen Bummel durch die autofreie Altstadt. Unter den Bögen der alten Zunfthäuser in Richtung Rathaus verbergen sich Läden und zahlreiche enge Gassen führen von diesem Quai ins Niederdorf.

Bis 1798 war die von Rudolf Brun «revolutionierte» Stadtordnung, die Zunftordnung, die den Handwerkern zu politischem Einfluss verhalf, prägend für die Stadt. Elf Zünfte waren damals gegründet worden und deren Zunftmeister hielten Einzug in den Rat der Stadt. Das älteste Zunfthaus, das Zunfthaus zum Rüden steht am kleinen Rüdenplatz mit seinen Strassencafés. Gleich um die Ecke stossen wir auf das sorgfältig renovierte Haus zur Kerze, mit dem wunderbaren, kerzenartigen Erkerturm und gleich daneben auf das Zunfthaus zur Saffran. Die Zunfthäuser beherbergen heute Restaurants. Gegenüber dem Zunfthaus zur Saffran befindet sich das im Stil der Spätrenaissance erbaute dreistöckige Rathaus. Sehenswert in diesem ist unter anderem der mit Ölgemälden geschmückte barocke Festsaal mit seiner prunkvollen Stuckdecke.

Nostalgische Läden und Cafés

Die Marktgasse ist eine der Gassen, die vom Limmatquai in die Münstergasse im Niederdorf führen. Wie ein Relikt aus alter Zeit wirkt der zwischen Spiegelgasse und Obere Zäune liegende, leicht gegen die Münstergasse abfallende Napfplatz mit seinem Brunnen und dem mittelalterlichen Brunnenturm. In der Napfgasse 4 befindet sich die Confiserie Schober, wo sich der Besucher beim Anblick der auf Theken und Regalen aufgetürmten leckeren verkäuflichen Dekorationen unwillkürlich in die Süsswarenwelt des 19. Jahrhunderts versetzt fühlt. Zahlreiche Erinnerungsstücke, wie etwa Hinweise auf die Qualität von «ächtem Zürcher Zwieback» und« prima Triebschnitten» oder alte Firmenbilder zieren die Wände des verwinkelten, pompös dekorierten Cafés und mancher Gast wird das denkmalgeschützte Interieur wohl mit Marzipanbildhauereien assoziieren. Als Spezialität gilt hier die mit Vollmilch aufgegossene heisse «Chocolade».

Schräg gegenüber, an der Münstergasse 19, befindet sich eines der wohl bekanntesten Kolonialwarengeschäfte der Welt, die Kolonialwarenhandlung Schwarzenbach. Und an der Ecke der Schoffelgasse steht seit 1874 die berühmte Bodega Española, ein original spanisches Lokal, in welchem kurze Abstecher nicht selten zu kleinen Festen werden.

Geschichtsträchtige Gassen

Unter dem Motto «Unruhe bitte!» entstand im «Cabaret Voltaire» unten an der buckligen Spiegelgasse – im Haus Nummer 1 – ein lebhafter Kulturort, an dem man sich heute gerne tritt, um zu einem kreativen Teil des Geschehens zu werden. Aber nicht nur die 1916 in diesen Räumen gegründete Avantgarde-Bewegung Dada macht die Spiegelgasse, die zum Neumarkt führt, zu einer der geschichtenträchtigsten Gassen der Zürcher Altstadt.

In einem der Häuser weiter oben traf sich Goethe mit Johann Kaspar Lavater. Und in einem anderen Haus, ebenfalls in dieser Gasse, starb 1837 der Dramatiker Georg Büchner. An der Spiegelgasse 14, im zweiten Stock wohnte – bei Schuhmacher Titus Kammerer zur Untermiete – vom Februar 1916 bis April 1917 gar Lenin und schrieb an seinem Werk «Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus».

Strassenmusikanten, Kleindarsteller und Märkte

Wieder zurück in die Münstergasse und weiter in Richtung Hirschenplatz, wo die Brunngasse und die Spitalgasse in die Niederdorfstrasse einmünden, trifft man im Sommer zwischen Kneipen, kleinen Geschäften und Kinos auf zahlreiche Kleindarsteller. Aber schon im Jahre 1915, als der Kulturkritiker und Dadaist Hugo Ball im Gasthof Hirschen aufgetreten war, lief dort wohl einiges.

Der gleich unterhalb des Hirschenplatzes liegende Rosenhof ist ein beliebter Treffpunkt für junge Leute. Hier wird samstags und donnerstags an einem kleinen Markt alternativer Schmuck und Kunstgewerbliches angeboten.

750 Jahre alte Kirche mit Turm aus dem letzten Jahrhundert

Vor dem Hirschenplatz führt die Brunngasse direkt zum Predigerplatz, wo sich die 750 Jahre alte Predigerkirche mit ihrem 1900 erbauten neugotischen, 97 Meter hohen Turm befindet.

Die im 13. Jahrhundert erbaute Klosterkirche der Dominikaner erhielt im 14. Jahrhundert einen hochgotischen Chor. Dieser diente ab 1541 als Kornschütte und danach als Staatsarchiv. 1887 brannte das Klostergebäude nieder und an seiner Stelle wurde im Jahr 1915 die Zentralbibliothek erstellt.

Spannende Entführungen in verborgene Winkel

Ob mit Start am Hauptbahnhof und dann entlang der Bahnhofstrasse, ob übers Bellevue oder das Central – ein Bummel durchs Dörfli mit seinen verwinkelten Gassen, versteckten Innenhöfen und prunkvollen Erkern entführt in vergangene Zeiten. Eine geführte Entdeckungsreise mit Anekdoten und Fakten machen die Geschichte, die die über tausend Jahre alte Stadt geprägt haben, lebendig.

Quellen: MERIAN live «Zürich» 1. Auflage von Eva Gerberding, erschienen 2010 in der Ganske Verlagsgruppe; Homepage «zuerich guides»; «20 x 20 ToppTipps Zürich» von Claus Schweitzer, 4. Auflage 2006, erschienen im AT-Verlag Aarau.

Daniela Sattler, Daniela Sattler

Daniela Sattler - In Bearbeitung

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