Auf die Frage, ob der diesjährige Tour de France-Sieger gedopt sein wird, antwortete der ehemalige Radsportler und Dopinggeständige Jörg Jaksche schlicht mit einem "Ja". Laut dem Gesetz der Serie würde dies auch in den nächsten Jahren so bleiben. Doping bringe einfach noch einen zu großen Vorteil. Für diese Aussagen erntete Jaksche erneut viel Missgunst und Abneigung. Viele Fahrer fühlten sich über einen Kamm geschoren und versicherten, dass der Großteil der Fahrer sauber sei.
Glaubwürdigkeit des Radsports strebt gen null
Die Frage nach der Glaubwürdigkeit der diesjährigen Tour de France stellt sich jedoch trotzdem. Zwar sollten die Fahrer aufgrund der häufigen Entlarvungen gewarnt sein. Laut Bernhard Kohl, der ebenfalls des Dopings überführt wurde, sei das Kontrollsystem aber keineswegs wirksam. Seines Erachtens hätte er vor seiner Überführung bereits über 100-mal positiv getestet worden sein müssen. Folglich werden weiterhin Zweifel über die Echtheit der Leistung einzelner Athleten aufkommen. Der Radsport hat letztlich nahezu alles Vertrauen durch die mittlerweile unzähligen Dopingskandale verloren. Weiteren Kredit verspielt der Radsport auch durch die Duldung stark dopingverdächtiger Fahrer wie Lance Armstrong und Andreas Klöden. Zwar sollte die Unschuldsvermutung gelten, da der Radsport aber über Jahre manipuliert war, dürfte es vielen Fans schwer fallen, von der Unschuld dieser und weiterer Fahrer auszugehen.
Radsport ohne Doping vorstellbar?
Ob Radsport ohne Doping überhaupt existieren kann, bleibt weiterhin fraglich. Da im Radsportzirkus weiterhin ein enorm hoher Leistungsdruck herrscht und die Fahrer nahezu ausnahmslos über ihre Leistung bewertet werden, ist der Griff zu leistungssteigernden Substanzen häufig notwendig, um diesen Anforderungen weiterhin gerecht werden zu können. Der Ausstieg aus diesem Teufelskreis muss jedoch durch den Radsport selbst geleistet werden. Wenn weiterhin Doping im Radsport existiert, werden sich zahlungskräftige Sponsoren immer mehr aus diesem Sport zurückziehen. Auch das Fernsehen dürfte bei weiteren Dopingskandalen das Interesse am Radsport verlieren. Vielleicht würde durch den Verlust dieser Gelder der Radsport auf ein Anfangslevel zurückgestuft werden, was aber gleichzeitig die Chance auf einen Neubeginn eröffnen würde. Diese Entwicklung dürfte aber erst einmal durch das Comeback von Lance Armstrong gestoppt worden sein. Das durch ihn zurückgekehrte Medienintresse hilft dem Radsport über Umsatzeinbrüche der letzten Jahre hinweg.
Zukunftsaussichten des Radsports
Wenn jedoch diese Generation von Fahrern aus dem Radsport aussteigt, werden sich die Chancen auf einen dopingfreieren Wettbewerb erhöhen. Die jüngeren Generationen von Radfahrern scheinen begriffen zu haben, dass der Radsport zukünftig nur ohne Doping eine Chance als gesellschaftlich anerkannte Sportart haben dürfte. Folglich dürfte dem Radsport in einigen Jahren ein Neubeginn ermöglicht werden. Dieser dürfte zwar anfangs nicht so medienwirksam sein, jedoch das weitsichtige Ziel verfolgen, den Radsport zu rehabilitieren. Ob nach einer solchen Rehabilitierung der Teufelskreis des Dopings nicht wieder erneut beginnt, ist eine andere Frage.
