
- Theater am Ku'damm - Simone Heiland
Seit 2005 stehen das 1922 eröffnete Theater am Kurfürstendamm und die zwei Jahre jüngere Komödie zur Disposition. Berlin-Freunden ist gewiss noch schmerzlich die Schließung des weltberühmten Café Kranzler im Jahr 2000 in Erinnerung. Auch dieses Wahrzeichen Berlins sollte dem Kommerz anheim fallen. Der Denkmalschutz rettete die Berliner Institution schließlich und Dank der geldgebenden Hand des Textilunternehmers Gerry Weber wurde das traditionsreiche Kaffeehaus am 27. Dezember 2000 in abgespeckter Version wiedereröffnet.
Ku'damm-Bühnen: Wahrzeichen ohne Denkmalschutz
Auch das Theater am Ku'damm und die Komödie liegen, nur einen Steinwurf vom Café Kranzler entfernt, unmittelbar am Kurfürstendamm. Weil die Große Koalition 1998 eine vorher bestehende Erhaltsgarantie der Bühnen für eine Zahlung von vier Millionen Euro aus früheren Verträgen hatte streichen lassen, stehen die Theater fatalerweise heute nicht mehr unter Denkmalschutz.
Klares Nein vom Regierenden Klaus Wowereit
Nach neuesten Vorschlägen soll das Theater am Ku'damm, die ältere der beiden über 85 Jahre bestehenden Bühnen, abgerissen und die Komödie innerhalb des Ku'damm-Karrees auf Höhe des heutigen Parkhauses an der Uhlandstraße neu errichtet werden - inmitten eines ebenfalls neu zu gestaltenden Max-Reinhardt-Platzes. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat diesen Vorschlag weit von sich gewiesen. Und somit geht ein erbitterter Streit zwischen dem irischen Projektentwickler Ballymore, dem Berliner Senat, dem Theaterbetreiber und Intendanten Martin Woelffer, Spross der legendären Berliner Theaterdynastie Woelffer, und protestierenden Bürgern in die nächste Runde.
Das Dilemma um die Ku'damm-Bühnen
In den 1990er Jahren explodierten die Kosten, erstmals in der Geschichte der beiden Theater waren nicht alle Vorstellungen ausverkauft. 2003 wurde die Deutsche-Bank-Tochter db-Real-Estate Besitzer des Ku'damm-Karrees. 2005 kündigte sie die Mietverträge für beide Theater zum Jahresende. Eine Welle der Empörung und des Protestes machte sich breit. Die Schließung konnte vorerst aufgeschoben werden. Ende 2006 verkaufte die db-Real-Estate das Ku'damm-Karree an den amerikanischen Investor Fortress. Wieder flatterte der Theaterleitung eine Kündigung ins Haus. Wieder konnte sie abgewendet werden. Im September 2007 veräußerte Fortress die Immobilie an die irische Ballymore Properties Group.
Neues Theater ohne direkten Zugang zum Ku'damm
Die auf innerstädtische Großimmobilien spezialisierte Immobilieninvestmentgesellschaft will in das gesamte Areal 500 Millionen Euro investieren. Die alten Bühnen sollten nach einem ersten Entwurf abgerissen und ein neues Logentheater mit 500 Plätzen "ganz im Stile und im Geiste von Max Reinhardt und Oskar Kaufmann" im dritten Stock ohne direkten Zugang zum Kurfürstendamm neu gebaut werden. Umbaukosten: rund 45 Millionen Euro. Dieser Enwurf ist inzwischen vom Tisch. Für Donnerstag hat der Berliner Senat einen Rundgang mit Klaus Wowereit und dem Stararchitekten David Chipperfield, der auch für die Umsetzung des Neuen Museums Berlin verantwortlich zeichnet, angesetzt. Dabei soll die neueste Entwicklung erläutert werden.
Bürgerbegehren zur Rettung der Ku'damm-Bühnen
Anfang April hat der Verein "Rettet die Ku'damm-Bühnen" ein Bürgerbegehren zum Erhalt der beiden Bühnen am alten Standort beantragt. Dazu müssen binnen eines halben Jahres 8.000 Unterschriften gesammelt werden. Es liegen bereits Listen mit 230.000 Unterschriften vor. Ende offen.
