Naturschutzbilanz des Landes Brandenburg

NABU und Land sehen das "Tafelsilber der Einheit" in guten Händen

Der Obelisk in der Döberitzer Heide - Harald Rossa
Der Obelisk in der Döberitzer Heide - Harald Rossa
Die Landesregierung von Brandenburg präsentierte mit dem Naturschutzbund Deutschland und der Heinz Sielmann Stiftung eine positive Naturschutzbilanz.

In die Döberitzer Heide westlich von Berlin hatten der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Matthias Platzeck, der Präsident des Naturschutzbund Deutschlands (NABU), Olaf Tschimpke, und die Hausherrin und Stiftungsratsvorsitzende der Heinz Sielmann Stiftung, Inge Sielmann, am 15. September 2009 geladen. Weitere Teilnehmer waren die brandenburgischen Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Dietmar Woidke, und Finanzen, Rainer Speer, der NABU-Geschäftsführer Leif Miller und das Vorstandsmitglied Walter Stelte der Heinz Sielmann Stiftung.

Für den Erhalt großflächiger Naturlandschaften

Direkt hinter dem Konsumtempel Havelpark in Dallgow-Döberitz an der Bundesstraße 5 geht es in die Döberitzer Heide. Nur wenige hundert Meter hinter dieser Mall hatten die Landesregierung, die Sielmann Stiftung und der NABU zur Naturschutzbilanz geladen. Die drei Institutionen ziehen an einem Strang, wenn es um Erhalt der großflächigen brandenburgischen Naturlandschaften geht. Das verdeutlichten in der Döberitzer Heide Inge Sielmann, Ministerpräsident Matthias Platzeck und NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Der Ministerpräsident Matthias Platzeck dankte der Sielmann Stiftung, die den ehemaligen Truppenübungsplatz Döberitzer Heide 2004 übernahm, für deren Engagement und vollbrachte Leistungen: „Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, die Döberitzer Heide mit ihrem Mosaik aus Heideflächen, Mooren, Wäldern und ihrer Artenvielfalt zu erhalten und erlebbar zu machen. Damit leistet sie einen unschätzbaren Beitrag zur Bewahrung des nationalen Naturerbes, man könnte auch sagen der ´Wildnis direkt vor den Toren Berlins´", so der Ministerpräsident wörtlich. Die Landesregierung, die die großen Naturlandschaften zwischen Elbe und Oder erhalten will, braucht dafür starke Partner. „Nur in Zusammenarbeit zwischen Land, Stiftungen und Verbänden können eine nachhaltige Gebietsentwicklung und der Aufbau eines naturtouristischen Angebots gelingen." Im Laufe des Jahres 2010 soll die Wildniskernzone funktionsfähig sein. Wisente, Przewalskipferde und Rotwild wird dann aus den Eingewöhnungszonen in ein großes Revier entlassen. Dort sollen sie dafür sorgen, dass diese besondere Landschaft offen bleibt.

Die Stiftungsratsvorsitzende der Heinz Sielmann Stiftung, Inge Sielmann, bestätigte diese Einschätzung und sagte: „Das Land Brandenburg hat uns viele Chancen für den großflächigen Naturschutz eröffnet. Die Heinz Sielmann Stiftung wird stets ihren Teil zum Erhalt der einzigartigen Artenvielfalt leisten."

Walter Stelte, Vorstand der Sielmann Stiftung, ergänzte: „Wir sind der Landesregierung Brandenburgs zu großem Dank verpflichtet. Sie hat die Heinz Sielmann Stiftung beim Aufbau der Sielmanns Naturlandschaften Wanninchen, Groß Schauener Seen und Döberitzer Heide stets wirksam unterstützt."

Die Sicht des Naturschutzbund Deutschland

NABU-Präsident Olaf Tschimpke hob die Bedeutung von Naturlandschaften für die Erhaltung der biologischen Vielfalt hervor: „Rund 40 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten sind in Deutschland gefährdet. Im Land Brandenburg wurde erkannt, dass der Schutz der biologischen Vielfalt vor allem auch über ausreichende Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen erreicht werden kann. Als positive Beispiele sind einige der ehemaligen Truppenübungsplätze wie der bei Lieberose im Südosten Brandenburgs hervorzuheben, in denen sich die Natur frei entfalten kann.

Tschimpke hob hervor, dass das Land Brandenburg in Sachen Naturschutz herausragende Leistungen erbringt. Dazu blickte er auf die bundesweite Naturschutzflächenbilanz und stellte fest, dass der Anteil der brandenburgischen Naturschutzgebiete am Landesterritorium bei 7 Prozent liegt, der Bundesschnitt lediglich auf 3,3 Prozent kommt. Bei den so genannten Natura-2000-Flächen liegt der Anteil an der Landesfläche Brandenburgs bei 26,5 Prozent und bundesweit bei 14 Prozent. Deutschland verfügt nach Angaben des NABU-Präsidenten über 100.000 Hektar Nationales Naturerbe, Brandenburg hat daran einen Anteil von 22.000 Hektar. Tschimpke wörtlich: „Hinter all diesen Zahlen verbirgt sich eine politische Leistung Brandenburgs, die man anerkennen muss."

Leidiges Thema Hochwasserschutz

Olaf Tschimpke stellte weiter fest, dass in Brandenburg auch schwierige Maßnahmen für mehr Naturschutz auf den weg gebracht wurden. So sei an der Elbe bei dem „Bösen Ort“ vor Lenzen dem Fluss durch eine Rückverlegung des Deiches mehr Raum gegeben worden und ein stark gefährdeter Deichabschnitt entschärft worden. Nach den letzten Hochwasserlagen ist dies allerdings bundesweit das einzige Beispiel für eine Rückverlegung von Deichen, Weiter lobend erwähnte er die Renaturierung der Unteren Havel, die Lebensraum für bedrohte Arten und den Hochwasserschutz verbessern werde. Der Projektträger NABU hat vor, das bis 2021 ein rund 9000 Hektar großes Kerngebiet an der Unteren Havel naturnah gestaltet wird.

Finanzierung von Ausgleichsmaßnahmen für die Landwirtschaft

Olaf Tschimpke setzte sich bei dieser Gelegenheit wieder einmal dafür ein, dass Mittel aus dem Emissionsrechteverkauf zumindest teilweise dem Naturschutz zu Gute kommen sollten. Insbesondere sollten aus diesem Topf Ausgleichsmaßnahmen für die Landwirtschaft finanziert werden, wenn diese aus Naturschutzgründen auf Einkünfte verzichten soll.

Ideen für das Bombodrom

Es ist nun klar, das die fast 150 Quadratkilometer große Kyritz-Ruppiner-Heide im Nordosten Brandenburgs an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr als „Bombodrom" genutzt wird. Der NABU fordert von der Bundesregierung, dass diese einmalige Landschaft dauerhaft für den Naturschutz gesichert wird. „Auch die Kyritz-Ruppiner-Heide gehört neben der bereits mit der Bundesregierung und den Ländern abgestimmten Flächenkulisse von 125.000 Hektar des Nationalen Naturerbes auf diese Liste und muss für zukünftige Generationen gesichert werden", so NABU-Präsident Tschimpke.

Photovoltaik in der Döberitzer Heide

Die Heinz Sielmann Stiftung hat den Plan entwickelt, in der Döberitzer Heide eine Fläche von rund 150 Hektar für den Bau einer Photovoltaikanlage zu nutzen. Ihre Überlegung dabei ist, dass diese Fläche mit der Errichtung der Anlage von Munition beräumt werden kann. Dieses teuere Unterfangen ist sonst nicht finanzierbar. Und die Pachterträge für die Anlage kämen den Naturschutzprojekten der Stiftung zugute. Im Umweltministerium Brandenburgs stießen diese Gedanken zunächst auf wenig Verständnis. Umweltminister Dietmar Woidke ließ nun erkennen, dass zu diesem Punkt neu überlegt werde. Ministerpräsident Matthias Platzeck machte bei dieser Gelegenheit noch einmal nachdrücklich darauf aufmerksam, dass auch die Gewinnung regenerativer Energie nicht ohne Beeinträchtigungen der Umwelt zu haben sei. Das gilt für Biogasanlagen, die nach dem Sankt Floriansprinzip doch nur im Nachbardorf stehen sollten, ebenso wie für Windenergieanlagen, die niemand in Sichtweite haben will, und auch für Photovoltaikanlagen, die Platz an geeigneten Standorten brauchen. Auf diesem Feld sind nach der Überzeugung des Ministerpräsidenten Kompromisse gefragt, sonst geht es mit erneuerbaren Energien nicht voran.