Wie Hans-Werner Goetz es beschreibt, ist doch die "Aufgabe der Geschichtswissenschaft ein wissenschaftliches, das heißt ein methodisch geleitetes kritisches, quellengestütztes und nachprüfbares Sich-Erinnern."
Die Definition einer historischen Quelle nach Hans-Werner Goetz
"Als historische 'Quellen' bezeichnen wir im weitesten Sinne alle Zeugnisse (Überlieferungen), die über geschichtliche (= vergangene) Abläufe, Zustände, Denk- und Verhaltensweisen informieren, d. h. letztlich über alles, was sich in der Vergangenheit ereignet hat, diese kennzeichnet, von Menschen gedacht, geschrieben oder geformt wurde."
Unterscheidung von "Quelle" und "Darstellung"
Im Unterschied zur "Quelle" steht die "Darstellung": eine "Darstellung" ist diejenige Literatur, die geschichtliche (= historische) Vorgänge beschreibt oder interpretiert, indem sie ihrerseits auf die entsprechenden historischen "Quellen" zurückgreift.
Eine "Darstellung" kann allerdings auch selbst zur "Quelle" werden, wenn es sich dabei um eine für einen zeitgenössischen Forscher ihrerseits historische Betrachtung handelt. Als Beispiel: eine "Darstellung" des "Mittelalters zur Zeit des Nationalsozialismus'" ist für einen Historiker des 21. Jahrhunderts dann eine "Quelle", wenn er sich als Forschungsgegenstand mit dem "Bild des Mittelalters aus der Sicht des Nationalsozialismus'" beschäftigt.
Zu den Einteilungsmöglichkeiten von "Quellen"
Historische Quellen lassen sich grob nach drei Kriterien einteilen - der äußeren Form, dem Erkenntniswert und dem Realitätsgehalt. Diese drei Überpunkte lassen sich wie folgt unterteilen:
- Äußere Form: Schriftquellen, Sachquellen und gegenstandslose/abstrakte Quellen (z. B. Traditionen, Bräuche, sprachliche Veränderungen)
- Erkenntniswert: Primärquellen (dabei muss stets die Rolle des Urhebers legitimiert und interpretiert werden), Sekundärquellen (diese beziehen sich auf andere Quellen, verbessern, ergänzen und verändern diese), Überrestquellen (sind unbeabsichtigt, z. B. Kassenzettel, Gesetze...) und Traditionsquellen (bewusste Quellen, d. h. für die Nachwelt produzierte Quellen)
- Realitätsgehalt: unterteilt nach dem Faktischen (was ist...), dem Fiktiven (was sein könnte...) und dem Normativen (was sein sollte...)
Die hier betrachteten Quellen stellen kein Absolutum dar - es gibt sehr wohl Überschneidungen, denn natürlich kann eine Quelle sowohl absichtlich/bewusste, wie auch unabsichtlich/unbewusste Informationen transportieren - die Einteilung hängt auch immer von der jeweiligen Fragestellung ab.
Die verschiedenen Quellenarten - eine Auswahl
Da "Quellen" letztlich in jeglicher Form Aufschluss über die Vergangenheit geben können, gibt es natürlich eine schier unfassbare Anzahl von "Quellen". Hier soll nun eine Auswahl an Quellenformen dargestellt werden:
- Historiographische Quellen: Annalen oder Chroniken, die vor allem in Klöstern erstellt wurden und sich darum bemühten, die Erinnerung an denkwürdige Geschehnisse aufrecht zu erhalten.
- Hagiographische Quellen: dies sind vor allen Dingen die "viten" (= Lebensgeschichten) besonderer Menschen
- Rechtsquellen: ein Rechtsakt bzw. eine Rechtssetzung wird dokumentiert, damit entsteht ein verbindliches Schriftstück (Urkunde, Akte, Testament...) - für weitere Informationen zu Urkunden s. auch Artikel über die Diplomatik
- Briefe: privat, geschäftlich, offen... - also zu weiteren Verbreitung gedacht
Die Bibliographie von Quellen
Merksatz: Ein Verzeichnis der für eine geschichtswissenschaftliche Arbeit relevanten oder verwendeten historischen Quellen findet man stets in der Bibliographie der Werke aus der (Sekundär-)Literatur!
Wichtige Hilfsmittel für die Bibliographie von Quellen sind:
- Quellenverzeichnisse/Quellenbibliographien/Quellenrepertorien (zumeist alphabetische Ordnung nach Autor oder Titel, dazu kurze Information über den Autor, das Werk und eventuelle handschriftliche Überlieferungen oder Editionen)
- Quellenkunden (Gliederung zumeist nach Raum, Zeit und Autoren, dabei ausführlichere Informationen über den Autor, den Entstehungskontext, die Erzählabsicht und die Zuverlässigkeit/Tendenziösität der Quelle - s. auch Artikel über die Quellenkritik)
Die kritische Edition - Quelleneditionen
Historische Quellen sind zumeist nicht "einfach so" überliefert, sondern in der Regel in sogenannten kritischen Editionen. Damit die Bedingungen für eine kritische Edition erfüllt sind, müssen folgende Kriterien vorhanden sein:
- Die "Quelle" muss in der Originalsprache abgedruckt sein
- In einer ausführlichen Einleitung müssen sich Informationen über sowohl Autor als auch Werk finden, d. h. Entstehung, Beschreibung und Überlieferungssituation der einzelnen Handschriften, Quellen des Autors, Fortleben der Quelle, Bibliographie
- Im "kritischen Appartat" (Fußnoten) werden textbegleitend Abweichungen der einzelnen Lesarten der Quelle angeführt, dazu findet sich dort ein historischer Kommentar zu Einzelaspekten der Quelle und ein Zitatnachweis.
Wichtige Quellensammlungen und Editionsreihen für die mittelalterliche Geschichte
- Monumenta Germaniae Historica (seit 1946 in München)
- Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe (Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters)
- Die Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit
- Corpus Christianorum, Series latina
- Rolls Series (Rerum Britannicarum medii aevi scriptores, 99 Bände)
- Oxford Medieval Texts
- RHC - Recueil des Historiens des Croisades in 5 Bänden
Literaturhinweis: Goetz, Hans-Werner: Proseminar Geschichte. Mittelalter. Stuttgart 2006.
