Mario Gomez – von Unlingen zu Bayern München

Wo die Karriere des Ausnahmestürmers begann

Mario Gomez gilt als bodenständig und heimatverbunden - untypisch für einen Fußballprofi. Seine Karriere begann in Unlingen und Ulm.

767 Meter hoch ist der Bussen, der auch als der heilige Berg Oberschwabens bezeichnet wird. Jungverheiratete Paare beispielsweise wallfahrten in der streng katholischen Gegend auf den Berg, um in der Wallfahrtskirche St. Johann Baptist um Kindersegen zu bitten. Fast im Schatten des auffälligen Berges liegt Unlingen, ein Dorf mit etwa 2.500 Einwohnern. Der größte Sohn des Ortes ist ein Fußballer: Mario Gomez. Dort hat er auch das Fußballspielen gelernt, beim örtlichen SV. Der spielt heute in der Kreisliga A. Kein Wunder, dass es Mario Gomez bald dorthin zog, wo die Perspektiven besser waren – ins benachbarte Bad Saulgau zum Beispiel. Von dort ging es dann zum SSV Ulm.

Von Saulgau zu den Ulmer Spatzen

An klaren Tagen ist vom Bussen aus das Ulmer Münster zu sehen. So ganz weit weg von zu Hause war der junge Stürmer also auch nicht, als er bei den Ulmer Spatzen anheuerte. Der SSV Ulm 1846 gehört nicht nur zu den ältesten Sportvereinen im Ländle, sondern ist mit über 11.000 Mitgliedern auch der zweitgrößte. In der Jugendarbeit galt der SSV immer als vorbildlich und war bis zur Einführung der Jugendbundesligen stets der größte Konkurrent des VfB Stuttgart. Einmal sollen die Stuttgarter den Ulmern zur Saisonhälfte die ganze A-Jugend abgekauft haben, weil die württembergische Meisterschaft in Gefahr war.

Der talentierte Stürmer blieb denn auch dem VfB nicht lange verborgen. Alleine das Werben des Jugendkoordinators Thomas Ahlbeck blieb zunächst vergebens, denn Mario Gomez fühlte sich in Ulm wohl. Doch als er mit seiner Mannschaft eine 0:7-Klatsche beim VfB erlitt, wurde ihm schmerzhaft klar, dass er wechseln musste, wenn er fußballerisch weiterkommen wollte.

Profi-Debüt gegen Marcel Desailly

Mit 16 zog es ihn in die Stuttgarter Fußballwelt. Ein Jahr später hatte er eine eigene Wohnung und gehörte so ganz nebenbei zum Stamm der jeweiligen Jugendnationalmannschaft. Und dann kam der 9. März 2004. Bis dahin hatte er einige Einsätze in der Regionalliga zu verzeichnen, auch dort seine Torgefährlichkeit bewiesen, und nun kam er unverhofft zu seinem ersten Profieinsatz. Nicht etwa in der Bundesliga: Felix Magath schickte den 18-Jährigen für zehn Minuten in das Champions League-Spiel gegen den FC Chelsea. Sein Gegenspieler damals: der französische Weltmeister Marcel Desailly.

Meister und Fußballer des Jahres 2007

Zwei Monate später kam er gegen den HSV dann zu seinem ersten Bundesligaeinsatz – und danach zu seinem ersten Titel mit dem VfB. Er wurde mit der A-Jugend deutscher Meister. Ein Jahr später schoss er in Mainz sein erstes Bundesligator. Es folgte eine durchwachsene Saison mit sechs Toren in 30 Spielen – ehe er dann Stuttgart 2007 überraschend zum Titel schoss. Im gleichen Jahr wurde er auch noch zum Fußballer des Jahres gewählt.

Schlechte EM hat Gomez nicht geschadet

Seither ist Mario Gomez zu einem gefragten Spieler auf internationalem Parkett geworden. Daran ändert auch nichts, dass die Europameisterschaft 2008 für ihn desaströs verlief und er seither in der Nationalmannschaft nicht mehr getroffen hat. Trotzdem wurde sein Marktwert zum Ende der Saison mit 23 Millionen Euro beziffert. Auf die haben nun die Münchner Bayern noch einmal sieben Millionen draufgepackt. Sein Traum ist es zwar, in Spanien zu spielen, dort hat er auch Familie und fühlt sich fast so daheim, wie in Oberschwaben. Doch die – noch nicht all zu lange – Geschichte des Fußballers Mario Gomez hat gezeigt, dass er immer dann wechselte, wenn es ihn sportlich weitergebracht hat. Genau diese Möglichkeit sieht er nun in München.

Peter S. Kaspar, Peter S. Kaspar

Peter S. Kaspar - Die journalistische Laufbahn begann für mich 1982 beim "Schwarzwälder Boten", zunächst als Lokal- und dann als ...

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