
- Natürliche Landschaft Islands - Tom Schiller
„Und, wohin fährst du diesmal? Nach Usedom? Oder in den Harz?"
„Für dieses Jahr habe ich mir etwas besonderes ausgesucht: Eine Reise nach Island!"
Staunen auf der anderen Seite. Und großes Nachdenken - Island, war das nicht diese kleine Insel irgendwo im Norden? War das nicht der Ort mit dem unaussprechlichen Vulkan, der Europas Flugverkehr einst lahmlegte?
Ja, das ist Island - ein Land, das größer ist als Österreich, und doch von nur 300.000 Menschen bewohnt wird. Die meisten davon leben auch noch in der einzigen größeren Stadt, Reykjavík, sodass der Rest des Landes von vielfältiger, bis heute unberührter Natur geprägt ist, selten unterbrochen von einem Bauernhof oder einer „Stadt" mit ein paar hundert Einwohnern.
Island ist vor allem für diejenigen interessant, die einmal etwas komplett anderes erleben möchten - das Land der alten Sagas, das Land, in dem man den Charme des hohen Nordens noch nahezu unverändert erleben kann. Sehr attraktiv macht das Land auch, dass das heute gesprochene Isländisch sich über unzählige Generationen nur gering verändert hat, sodass es noch sehr nah am Altnordischen ist.
Kurz - eine Reise in dieses Land ist eine Reise in die Vergangenheit der eigenen Kultur, ist eine Reise in ein Land der Mystik und der unvorstellbar schönen Natur.
Wie gelangt man nach Island?
Es gibt zur Zeit drei Airlines, die Island von Deutschland aus anfliegen, wobei nur zwei von ihnen das ganz Jahr über operieren. Diese beiden sind Icelandair und Iceland Express, wobei Icelandair die Komfortairline ist und Iceland Express den Flug etwas preisgünstiger gestaltet. Außerdem gibt es, jedoch nur im Sommer, Flüge von German Wings.
Der internationale Flughafen befindet sich in Keflavík. Nach der Ankunft wird man vom „Flybus" nach Reykjavík gebracht. Zu jedem Flug gibt es einen Bus, der lange genug sogar auf verspätete Flüge wartet, sodass man nicht aus dem Flughafen herauseilen muss. Ist man nun im BSÍ, im Busterminal von Reykjavík, circa eine Stunde nach Ankunft des Flugzeugs erschienen, so beginnt das...
Abenteuer in Island
Sehr gut als Einstieg geeignet ist die sagenumwobene Golden Circle Tour, quasi der Standard für jeden Islandtouristen, aber ihr Geld auf jeden Fall auch wert. Diese sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen, wenn man schon mal in Island ist. Sie führt einen zu diversen Geysiren, Wasserfällen und zum Platz des Alþing, an dem Amerika und Europa auseinanderdriften.
Dort beginnt jedoch auch gleich das größte Problem - es gibt kein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz in Island außer den Strætos, einer Buslinie, die innerhalb Reykjavíks und nur ein klein wenig darüber hinaus operiert. Daher werden zu vielen Orten, auch auf der Golden Circle Tour, Reisebusse eingesetzt. Oftmals kann man auch Wagen mieten oder findet sogar Isländer, die gegen ein kleines Entgeld ihre Fahrkünste sowie ihr Auto zur Verfügung stellen.
Die blaue Lagune
Schon bei der Ankunft in Keflavík wird einem eine andere Touristenattraktion aufgefallen sein, die überall angepriesen wird: die blaue Lagune.
Ehrlich gesagt ist dieses große Heißwasserbad jedoch keine allzu interessante Attraktion, außer vielleicht in dunklen Abendstunden, mit vor vereinzelten Lichtern aufsteigenden Nebelschleiern und einem kleinen nachgebauten Geysir - doch eben das ist auch das Problem: Es ist alles nur nachgebaut. Man badet dort in den heißen Abwässern eines Kraftwerks, und der Geysir ist nicht natürlichen Ursprungs.
Schwimmen in und um Reykjavík
Sehr viel mehr zu empfehlen sind dafür öffentliche Schwimmbäder, die stets auch mit Heißwasserpools locken, in denen man die isländische Bevölkerung in Ruhe und entspannt kennenlernen kann, wohingegen man in der blauen Lagune fast nur Touristen findet.
Noch stärker zu empfehlen sind die unzähligen, über das ganze Land verteilten Heißwasserseen und -flüsse. Es gibt von ihnen so viele, unter freiem Himmel und in Höhlen, so klein, dass gerade mal eine Person hineinpasst, bis hin zu scheinbar unerschöpflichen Ausmaßen, dass es keine vollständigen Übersichten über alle gibt - weder ein Buch noch eine Internetseite hat jemals alle katalogisieren können, und so ist es stets ein großes Abenteuer irgendwie in der Natur von Island auf einen kleinen Heißwassersee zu treffen, den vielleicht noch nie zuvor ein Mensch betreten hat.
Die Devise lautet also: Immer Schwimmkleidung und ein Handtuch dabei haben, wenn man in der Natur Islands unterwegs ist.
Hveragerðir - isländische Bananen?
Sehr berühmt für seine heißen Quellen ist das 2000 Einwohner starke Hveragerðir (für isländische Verhältnisse eine Stadt), das von Reykjavík aus nur durch ein kleines Hochplateau getrennt wird. Dort kann man nicht nur vorzüglich in heißen Flüssen baden, sondern sich auch ansehen, wie Isländer an ihre Supermarktprodukte kommen: Hier wachsen in Gewächshäusern Tomaten und Gurken. Sogar Bananen wurden testweise in Island schon auf diese Art und Weise angebaut.
Faszinierende Höhlen
Auch über das ganze Land verteilte Höhlen, bei denen es sich meist um eingestürzte alte Magmaschächte handelt, können faszinieren. Sie sind oft weder allzu breit noch allzu hoch, dafür aber sehr lang, sodass man für Stunden unter Tage verschwinden kann, ohne Angst zu haben, sich zu verirren, da es meist nur ein oder zwei lange Röhren gibt. Oftmals bieten die Einheimischen, auf deren Land eine Höhle liegt, geführte Touren an.
Islandpferde reiten
Eine andere große Attraktion ist das Reiten auf Isländerpferden. Machen Sie dabei nie den Fehler, eines dieser stolzen Tiere ein „Pony“ zu nennen - es würde Ihnen nie verziehen. Diese Pferde besitzen einzigartige Gangarten wie den Tölt, den man sonst nirgends erleben kann. Meist wird man von den Anbietern direkt in Reykjavík vor der Haustür per Auto abgeholt und zu den Pferdehöfen gefahren..
Vom Reisefieber gepackt?
Dann kann auch dieser Artikel über Reykjavík von Nutzen sein - immerhin ist das der Ort, an dem Sie sich am längsten aufhalten werden.
Zum Schluss gibt es nur noch eine einzige wichtige Sache zu klären: Der Vulkan, der 2010 den europäischen Flugverkehr lahmlegte, heißt Eyjafjallajökull (Eyja = Insel, Fjalla = Berge, Jökull = Gletscher) - so, und nicht anders.
